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Die Ballade von Willhelm N.

Herr Willhelm N., auch „Bier“ genannt,
Ist wohnhaft irgendwo.
Eins-siebzig tragen ihn durchs Land,
Die 140 Kilo sowieso.

Mit 40 Jahren ist er nicht alt,
Doch Falten zieren sein Gesicht.
Sein Blutdruck drückt ihn dergestalt,
Dass ständig ihm der Schweiß ausbricht...

...doch Willhelm war nicht immer fett,
Als Kind war er sogar mal dürr.
Mit Spange war er nicht adrett,
Doch war er lieb und brav dafür.

Stets nickte er, egal wer sprach,
Im „Ja“ schwang nie ein böses „Nein“.
Und wenn ein Schulfreund was verbrach,
War er zu petzen nicht zu fein.

Die Klassenkeile blieb nicht aus,
Und blaue Augen warn ihm hold.
Drum blieb er liebend gern zuhaus,
Wo Mutti speiste ihn mit Gold.

Die Schule schaffte Willi knapp –
Der Geist nahm ab, der Körper zu.
Beim Bund er machte zu oft schlapp,
Doch hatt’ er hinten seine Ruh'.

Den Hang zum Bier, den fand er hier,
’nen Freund hingegen fand er nicht.
Allein soff er bis früh um Vier,
Und stets nahm zu sein Leibgewicht.

Der Küchendienst, er setzte an.
Die Köchin war ein lüstern’ Weib:
So wurde Willi noch zum Mann –
Drei Zentner hatten ihn gefreit.

Und wieder da im Heimatland
Fand Willhelm schnell ’nen feinen Job:
Tagtäglich er am Fließband stand,
Wo er erstrebt’ des Meisters Lob.

Und Willi kroch von Arsch zu Arsch,
Er schleimte hier, er schleimte dort.
An Hinterlist es nie gebrach;
Voll Lust klang sein Philisterwort.

Ein wenig Geld ward angehäuft,
Er war des Fließbands Meister bald.
„Der Willhelm ja im Schleim ersäuft“,
Ging’s um in Städtleins Hinterhalt.

So griff der Willi oft zum Bier -
Ein treuer Freund im Tränenmeer.
Und eine noch war voller Gier:
Die Köchin, nun schon fast vier Zentner schwer.

Es heiratete das stolze Paar.
Trotz Missionar das Bett kaum hielt.
Zwei freche Gören sie ihm gebar:
Das eine grunzt, das andre schielt.

Und Willis Leib, er glänzte rund.
Das traute Heim? - Ein Taubenschlag:
Sein Weib keifte stets ungesund,
Das Bett nun auch dem Fett erlag.

Ein lieber Vater er nie war,
Die Tochter – sie gedieh so gut.
In Kneipen floss der Bierstrom klar,
Und Willhelms Lust war Hass und Wut:

Wenn Willi früh zur Arbeit ging,
War stets dabei der Sechser-Pack.
Sein Sohn noch schnell mal eine fing,
Die Tochter schon im Suffe lag.

Auf Arbeit nutzte er die Macht,
Der Willhelm war ein fieser Hund:
Kein Lehrling hat je mehr gelacht,
Weil er sie wie die Tiere schund.

Doch wenn der Herr Direktor kam,
War Willi wieder lieb und brav.
Er zeigte viel geschleimte Scham;
Der Direktor dachte: „Fettes Schaf!“

Nun! Willhelm, er blieb treu dem Trott:
Er soff und hasste jedes Ding.
Sein Schwanz jedoch kam bald in Not –
An Direktors Frau er sich verging.

Bierfassfest war der Skandal,
Der Willhelm schnell vom Fließband flog.
Das Schmerzensgeld bracht’ teure Qual,
Sein fettes Weib ihn schlug halbtot.

Geschieden ward der Ehebund.
Und Willi fraß und soff aus Schmerz.
Alimente zahlt er Stund’ um Stund’.
Der Arzt mahnt oft: „Ihr schwaches Herz!“...

Ja, der Willhelm ist nun arbeitslos,
Doch reicht die Stütze stets für’s Bier.
Zudem ward er noch obdachlos –
Im Pennerheim ’ne offne Tür.

Hier kann er klagen wohl sein Leid,
Denn Hörer hat er stets genug.
Zum Mitleid man ist nicht bereit,
Weil man ihn nach den Gründen frug.

Trotzdem säuft man gemeinsam oft.
Und Willis Leib, er schwillt und schwillt.
Auf’s nächste Bier er innigst hofft,
Auch wenn die Leber quillt und quillt.

In üblen Kneipen Willi schimpft
Über Bonzen, dich und Kapital.
Noch gegen Tripper schnell geimpft,
Dann wird die Hure nicht zur Qual...

...und Willhelm denkt nicht mehr daran,
Dass einstmals er noch sauber war:
Sich schüttelnd schauen sich Bürger an,
Wenn er verschmutzt das Trottoir.

Und Willhelm ist ein elend’ Wrack,
Er lebt nur noch dem Park zur Zier.
Sein Tod wird sein ein Herzinfarkt,
Oder es erschlägt ihn ein Fass Bier...

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